Bataclan: Jahrestag eines islamistischen Anschlags

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Islamismus

Heute, am Vorabend des Jahrestags der islamistischen Terroranschläge wird im Bataclan wieder Musik gespielt. Mit einer Schweigeminute zum Gedenken an die Opfer der Anschlagsserie wurde die Konzerthalle wiedereröffnet. Anschließend begann das Konzert von Sting. Wie vor einem Jahr kamen 1500 Leute. 500 Karten waren für überlebende Opfer und die Angehörigen der Ermordeten reserviert.

Videos:concert to honor victims“ und Ausschnitte aus dem Konzert.

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Antilaizismus

Linke, Antifas und Antiras haben zum Massenmord im Bataclan und zu den anderen Anschlägen in Frankreich nicht viel zu sagen. Insbesondere nicht zu den antisemitischen (siehe Text auf diesem Blog) und antilaizistischen Motiven der meisten Anschläge. Das Thema verträgt sich nicht mit dem hier dominanten ethnopluralistischen Antirassismus (insbesondere nicht mit dessen Extremform, der Critical Whiteness). Es ist eigentlich unglaublich, aber Kritik am islamistischen Terror möchte man nicht üben, weil sie dem „antimuslimischen RassismusVorschub leisten könnte. Den französischen Laizismus mag man auch nicht, weil der ebenfalls als „antimuslimisch“ gilt. Man mag den Laizismus auch nicht, weil man lieber mit den christlichen Kirchen politische Bündnisse macht und weil nicht wenige einen Job in der staats-christlichen Integrationsbürokratie haben.

Aus ganz ähnlichen Gründen polemisiert auch der Mainstream gegen den französischen Laizismus. Immer wieder wird Frankreich empfohlen, Migranten und Flüchtlinge als einheitliche religiöse Gruppe anzusprechen und sie nach deutschem Vorbild mit Hilfe der christlichen Kirchen über die Religion zu „integrieren“. Mit anderen Worten: Ohne die strikte Trennung von Staat und Religion gäbe es nicht die vielen Anschläge in Frankreich. Zudem gibt es in Frankreich kein Blasphemie-Verbot, und Gotteslästerung gilt dort als hohe Kunst. Im Fall von Charlie Hebdo denken viele in der BRD – Mainstream wie Linke – dass die Redakteure des Satire-Blattes noch leben würden, wenn sie mehr Respekt vor „religiösen Gefühlen“ gezeigt hätten. Während Charlie Hebdo sich über JEDEN Aberglauben lustig macht, also auch über den muslimischen, veranstaltet man in der BRD lieber inter-religiöse Wochen. Religion gilt hier als der Kern „kultureller Identität“.

Hinweis: Zum Thema Laizismus gab es eine Sendereihe beim Hamburger Sender FSK, in der es auch um den Auftritt der Eagles of Death Metal am 16.2.2016 im Pariser Konzertsaal „L‘Olympia“ geht. Nach dem Terroranschlag auf das Bataclan setzten die Eagles das so mörderisch unterbrochene Konzert in diesem Saal fort. Eingeladen waren schon im „L‘Olympia“ die Überlebenden des Anschlags vom November 2015.

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Comic des Bataclan-Überlebenden Fred Dewilde

Laizismus
Vergrößern mit RechtsklickZeichnung von Fred Dewilde aus „My Bataclan“ (Paris, November 2016)

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Am 13. November 2015 drängen sich 1500 Menschen im Bataclan um die Eagles of Death Metal zu hören. Als das Konzert gerade begonnen hatte, stürmten drei Islamisten mit Sprengstoffgürteln und Schnellfeuergewehren den Saal. Sie ermordeten 90 Menschen. Fred Dewilde hat den Bataclan-Anschlag knapp überlebt. Er lag regungslos neben einer verletzten Frau. Beide stellten sich tot und verharrten so zwei Stunden lang, während die Islamisten weitere Menschen erschossen.

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Bataclan Islamismus
Vergrößern mit Rechtsklick. – Dewilde und die neben ihm liegende verletzte Frau überleben, weil sie sich zwei Stunden lang tot stellen.

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Dewilde ist von Beruf Illustrator in einem Unternehmen der Pharmaindustrie, wo er medizinische Vorgänge zeichnerisch veranschaulicht. Für ihn lag es daher nahe, die traumatischen Ereignisse in einem Comic zu verarbeiten. Zum Thema sind gleich zwei Comics entstanden:

(1)My Bataclan“ (erschienen bei Lemieux). Dieser Comic ist das Zeugnis eines Überlebenden über die Barbarei, die in dem Pariser Theatersaal am Boulevard Voltaire stattfand.

(2)13.11. – Die Rekonstruktion eines Angriffs“ (bei Delcourt erschienen). Hier geht es um die Chronik der Ereignisse an diesem Tag, also auch um die Anschläge in

► der Rue Bichat: Bar Le Carillon und Restaurant Le Petit Cambodge.
Islamophobie Hamburg► der Rue de la Fontaine au Roi: Café Bonne Bière und Restaurant La Casa Nostra.
► der Rue de Charonne: Bar La Belle Équipe.
► dem Café Comptoir Voltaire am Boulevard Voltaire.
► der Umgebung des Stade de France, wo es drei Detonationen gab
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► in Saint-Denis in der Rue du Corbillon wo sich zwei Islamisten am 18. November 2015 in einem Haus in die Luft sprengten.

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My Bataclan

Freies Sender Kombinat
Vergrößern mit Rechtsklick. – Seite aus Fred Dewildes „Mon Bataclan“, November 2016

Mon Bataclan” retrace l‘expérience d‘un rescapé de la salle de concert après l‘attentat du 13 novembre 2015. La BD documentaire “13/11, Reconstitution d‘un attentat” tente de contextualiser les événements. Epicentre des attentats du 13 novembre 2015, le Bataclan est à la fois le théâtre d‘un acte de cruauté inédit ayant causé la mort de 90 personnes, le symbole d’un terrorisme mondialisé, le retour de bâton de décisions géopolitiques, le coeur d‘un traumatisme collectif. Quand toutes ces strates se confondent, comment raconter les événements avec un an de recul et avant la réouverture de la salle?

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Saint-Denis Islamisten
Vergrößern mit RechtsklickZeichnung von Fred Dewilde aus „Mon Bataclan“ (Paris, November 2016).

Deux bandes dessinées, sorties à quelques semaines d‘écart, tentent de le faire. «13/11, Reconstitution d‘un attentat» (Delcourt) revisite les faits de manière clinique, passant par un récit chronologique mettant en scène tous les acteurs de l’engrenage. «Mon Bataclan» (Lemieux éditeur), lui, est le témoignage d‘un rescapé, avec un effet de loupe, sur les quelques heures de barbarie qui se sont déroulées dans la salle de spectacle parisienne.

Islamisten im Bataclan
Vergrößern mit Rechtsklick. – Zeichnung von Fred Dewilde aus „Mon Bataclan“ (Paris, November 2016).

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2015/2016

Bataclan November 2015
Vergrößern mit Rechtsklick. – Seitenausgang Bataclan. Oben rechts: Situation während des Anschlages. Darunter: Haupteingang nach dem Anschlag. Foto privat

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Saint Denies Islam Terror
Vergrößern mit Rechtsklick. – Die Rue du Corbillon in Saint Denis nachdem sich dort zwei Islamisten in einem Wohnhaus in die Luft sprengten. Foto privat
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Antisemitische und antilaizistische Anschläge
in Frankreich 2012-2016

11. März 2012
Der 23-jährige Mohammed Merah erschießt innerhalb von vier Tagen in Toulouse und Montauban drei Soldaten auf offener Straße. Wenige Tage später erschießt er drei Kinder und einen Lehrer einer jüdischen Schule in Toulouse. Am 22. März wird Merah von einer Spezialeinheit getötet. 7 Tote, 5 Verletzte.

2. Juni 2012
In Villeurbanne greifen 10 Muslime drei Kippa tragende, junge Juden mit Stahlstangen und Hämmern an und verwunden sie teils schwer.

19. September 2012
In Sarcelles wirft ein Salafist eine Granate in einen Laden für koschere Lebensmittel. Ein Verletzter.

23. April 2013
In Paris attackiert ein Islamist aus dem Irak unter „Allahu Akbar“-Rufen einen Rabbiner und seinen Sohn bei einer Synagoge und verwundet sie.

7. Mai 2013
In Roussillon verwundet ein Muslim, der kürzlich von der Wallfahrt nach Mekka zurückkam, einen Polizisten mit Messerstichen unter „Allahu Akbar“-Rufen.

25. Mai 2013
In Paris sticht ein Muslim einem französischen Soldaten in den Hals und verwundet ihn.

20. Dezember 2014
In Joue-les-Tours attackiert ein Salafist unter „Allahu Akbar“-Rufen einen französischen Polizisten mit einem Messer. 3 Verletzte.

21. Dezember 2014
In Dijon überfährt ein islamischer Konvertit Fußgänger unter Rufen „Für die Kinder von Palästina!“ 13 Verletzte.

22. Dezember 2014
In Nantes rammt ein Mann mit seinem Fahrzeug unter „Allahu-Akbar“-Rufen einen Weihnachtsmarkt. Ein Toter, 9 Verletzte.

7. Januar 2015
Beim islamistischen Anschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo sterben in Paris zwölf Menschen: Stéphane Charbonnier, Jean Cabut, Georges Wolinski, Bernard Verlhac, Philippe Honoré, Mustapha Ourrad, Elsa Cayat, Bernard Maris, Michel Renaud, Frédéric Boisseau, Franck Brinsolaro und Ahmed Merabet.

9. Januar 2015
Ein weiterer Islamist nimmt in einem jüdischen Supermarkt Geiseln, von denen er vier erschießt, bevor er selbst von der Polizei getötet wird.

islamophobie
Vergrößern mit Rechtsklick. Foto: privat

3. Februar 2015
In Nizza sticht ein Islamist auf drei französische Wachsoldaten vor einer Synagoge ein und verwundet sie.

19. April 2015
Nach der Ermordung einer Frau in Villejuif bei Paris wird ein 24-Jähriger mit Kontakt nach Syrien festgenommen. Er besaß ein Waffenarsenal aus Kalaschnikow-Sturmgewehren und plante weitere Anschläge.

26. Juni 2015
Ein 35-jähriger Islamist will in einem Industriegaswerk in Saint-Quentin-Fallavier bei Lyon eine Explosion verursachen. Er hatte zuvor den Firmenchef enthauptet und den Kopf mit zwei Islamistenflaggen auf den Fabrikzaun gesteckt.

21. August 2015
Ayoub El Khazzani, ein 25-jähriger Islamist, wird im Thalys-Schnellzug Brüssel–Paris bei einem Anschlagsversuch mit einem Schnellfeuergewehr von Fahrgästen überwältigt. Zwei Zuginsassen werden verletzt. Ayoub El Khazzani gelangte mit dem Drahtzieher der Anschläge von Paris und Brüssel, Abdelhamid Abaaoud, über die Balkanroute (Ungarn, Wien, Köln) nach Paris.

24. Oktober 2015
In Marseille sticht ein Mann in einer Synagoge unter „Allahu Akbar“-Rufen auf einen Rabbiner und einen weiteren jüdischen Passanten ein und verwundet beide.

11. November 2015
Terroranschlag VERHINDERT. Mit der Festnahme eines 25 Jahre alten Islamisten hat die französische Polizei am 11. November einen auf die Marine in Toulon geplanten Anschlag vereitelt.“ (FAZ, 12.11.2015). Am selben Tag beschloss die EU einen Israel-Boykott. Das war die Nachrichtenlage am Tag VOR dem Bataclan-Massaker . Siehe dazu die vorletzte Meldung auf diesem Blog.

13. November 2015
Bei einer Anschlagsserie in Paris töten Islamisten 130 Menschen. Einige Täter sprengen sich vor dem Fußballstadion in die Luft. Die Angreifer feuern auf Bars und Restaurants und in die Konzerthalle Bataclan.

18. November 2015
Bei einem Anti-Terror-Einsatz in Saint-Denis bei Paris werden mehrere Komplizen der Attentäter festgenommen. Weitere Islamisten sprengen sich in einem Wohnhaus in die Luft. Alle neun Täter waren als Flüchtlinge getarnt nach Europa gekommen.

18. November 2015
In Marseille stechen drei IS-Anhänger auf einen jüdischen Lehrer ein und verwunden ihn.

1. Januar 2016
In Valence fährt ein Islamist französische Polizisten vor einer Moschee an. 2 Verletzte.

7. Januar 2016
Am Jahrestag der Anschläge auf Charlie Hebdo greift ein Islamist, der vorher als Flüchtling in der BRD lebte, Polizisten mit einem Messer an. Dabei trägt er die die Attrappe einer Sprengstoffweste. Er wird erschossen.

11. Januar 2016
„Im Namen Allahs“ wird in Marseille ein jüdischer Lehrer mit einer Machete angegriffen und verletzt.

24. März 2016
In Paris wird ein 34 Jahre alter Islamist festgenommen, der in einer Mietwohnung im Vorort Argenteuil zur Vorbereitung eines Anschlags ein großes Waffenarsenal angelegt hatte, darunter Kalaschnikow-Sturmgewehre und Sprengstoff.

27. Mai 2016
In Saint Julien du Puy stechen IS-Anhänger auf einen joggenden Soldaten im Urlaub ein. Ein Verletzter.

14. Juni 2016
In Magnanville ersticht ein Islamist das Polizistenpaar Jean-Baptiste Salvaing und Jessica Schneider. Er verschanzt sich in deren Wohnung, in der er ein „Bekenner-Video“ aufnimmt und verschickt. Die Polizei stürmt das Gebäude und erschießt den Täter.

15. Juli 2016
Ein Islamist rast in Nizza mit einem Lastwagen in eine feiernde Menschenmenge. 80 Menschen sterben, Hunderte werden verletzt, Tausende müssen das Massaker mit ansehen. In allen Fällen wird in den deutschen Medien über die „Motive“ der Täter gerätselt. Selbst wenn sie sich zum IS bekennen wird das in Frage gestellt und es ist von einer unerklärlichen Radikalisierung die Rede, die möglicherweise etwas mit der sozialen Lage der Täter zu tun hat.

19. Juli 2016
In Garda-Colombe sticht ein muslimischer Mann auf eine Mutter und drei kleinen Töchter ein, da sie „umislamisch gekleidet“ seien. 4 Verletzte.

26. Juli 2016
In Saint-Étienne-du-Rouvray nehmen IS-Anhänger Geiseln in einer Kirche. Sie filmen, wie sie einem Priester die Kehle durchschneiden. Ein Toter, ein Verletzter.

9. September 2016
In Paris versuchen drei Islamistinnen vor der Kathedrale Notre-Dame ein Auto mit mehreren Gasflaschen und drei Behältern Diesel-Treibstoff zu sprengen. Die Festgenommenen wollten auch den Bahnhof „Gare de Lyon“ angreifen.

9. November 2016
Islamistischer Anschlag auf die Französische Botschaft in Athen.
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